Sichtweisen – 12th International Film Festival of Kerala

Dezember 23, 2007 von mauro84

oder wie ein kommunistischer Staat ein globales Verstaendnis foerdert…

Ich befinde mich in Indien. Das ist das grosse Land, ganz ganz weit weg, dessen Bevoelkerung sich in den letzten 50 Jahren von etwa 350 Millionen auf eine sehr gute Milliarde vervielfachte. Pro Stunde werden ueber 7000 Menschen Kinder in die Welt gesetzt, jaehrlich schliessen ueber zwei Millionen Studenten ab, die Verschmutzung durch Plastik, Chemie und diverse Fortbewegungsmittel ist enorm. Aber eigentlich ist das gar nicht das Thema. Uns sowies: Indien ist nicht gleich Indien! Oder ist Europa gleich Europa? Ich bin im suedindischen Statt Kerala, Gast des von der kommunistischen Regierung unterstuetzten 12. Internationalen Film Festivals. Sie wollen wissen, welche Filme was gewonen haben? Bitte informieren Sie sich ueber die Homepage www.keralafilm.org. Mehr als die genialen Filme begeistert mich die Idee eines oeffentlichen Filmfestivals. Bezahlt aber nicht diktiert von einem Staat, dessen Bevoelkerung die gebildetste in Indien ist. 7′000 Festivalpaesse wurde ausgestellt. Es ist das groesste oeffentliche Festival dieser Art. Was mich daran so fasziniert? Nicht nur die geniale Auswahl aus Spiel-, Dokumentarfilmen sowie Retrospektiven (es wurden z.B. alle Filme von Pedro Almodovar sowie der regimkritisch ungarische Film „Falcons“, Gewinner des Cannes-Jury-Preises 1970 gezeigt). Durch diese Filme ueber Abtreibung, Liebe & Hass, ueber den Balkan, Homosexualitaet, Migration und Kriege lernen die Besucher andere Kulturen und Sichtweisen kennen und entwickeln ein globales Verstaendnis.Ich frage mich, wie das in der Schweiz aussieht. Kultur ist bei uns ein Luxusgut. Unser Schulsystem ist total veraltet und wir sind nicht bereit, von anderen zu lernen. Z.B. von Indien.Doch warum soll man von einer anderen Kultur lernen, wenn man glaubt, die Beste & am weitesten entwickelte Kultur von allen zu sein? Waehrend meiner obligatorischen Schulzeit lernte ich auf jeden Fall ueberhaupt nichts ueber die menschliche Welt, ueber Hoffnungen, Wuensche, Aengste und Traeume anderer Kulturen. Ueber Sichtweisen, die Leben praegen. Und die Welt veraendern. Sogar im Gymnasium wurde keinen Wert auf die Entwicklung unserer geliebten Erde gelegt. In einer Geschichtspruefung gab ich auf die absolut daemliche Gratis-Punkt-Frage: “ Befuerwortest Du die Sklavenhaltung“ eine etwas ausfuehrlichere Antowrt:„Auf keinen Fall. Das die Sklavenhaltung abgeschaffen wurde, halte ich aber fuer ein Geruecht. Heute produzieren Millionen von Menschen unter erbaermlichen Umstaenden unsere Luxusgueter. Sie werden zwar nicht direkt durch den Westen versklavt, das Ergebnis ist aber das gleiche: Menschen, die fuer uns arbeiten hungern und werden unterdrueckt.“ Damals war ich zarte 14 Jahre, jetzt bin ich 23. Heute wurde ich noch erwaehnen, dass dies aufgrund der viel zu tiefen Engeriepreise moeglich ist. Das Migranten im Angestellten-Verhaeltnis sowieso viel besser putzen als Sklaven und unsere Gueter nicht bei uns produziert werden koennten. All die chemischen Abfaelle muessten gefiltert, Abfall verbrannt und die Sklaven wuerden mit Importguetern ernaehrt werden. Das waere alles andere als oekonomisch! Die Antwort gab null Punkte, weil ich nicht auf die Frage antwortete. Nachdem ich die Lehrerin gefragt habe, fuer was wir Geschichte lernen, wenn wir sie nicht in Bezug zur aktuellen Geschichte setzen verliess ich das Zimmer. Sie konnte mir keine vernuenftige Antwort geben. Dafuer lernten wir, von wo nach wo die armen Sklaven (ja, das war sehr gemein, was die boesen Amerikaner mit den Sklaven anstellten…) verschifft wurden und das sie unterdrueckt wurden. Toll, was wir in der Schule lernen, nicht?

Hello world!

Dezember 23, 2007 von mauro84

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